Mittwoch, 29. Juni 2016

Musik Favoriten #3 und warum ich ein kleines Fangirl bin




Quelle: http://weknowmemes.com/generator/uploads/generated/g1393808432769096267.jpg



Hallo,

Während meiner Studienfahrt habe ich des öfteren ein Lied gehört, welches viele von euch kennen werden und mittlerweile schon seit fast einem Jahr in den Charts zu sein scheint, das ich als Blitzmerker aber natürlich jetzt erst entdeckt habe.



Stressed out - twenty one pilots




Das  offzielle Video lohnt sich auf jeden Fall, angeschaut zu werden - leider findet blogger es nicht.
Wie auch immer, ich habe von dem Lied grad nen Dauerohrwurm und nerve meine lieben Mitmenschen wahrscheinlich auch ziemlich damit.

Twenty one pilots - ich kenne die Band seit ungefähr zwei Wochen und bin jetzt schon ein großer Fan. (Und das, obwohl gerade mal fünf oder sechs songs kenne - ich höre die eingeschworenen Urfans, die den beiden schon seit Jahren treu ergeben sind und jedes Konzert miterlebt haben, schon genervt aufstöhnen).
Bei mir ist das irgendwie auffällig oft so, dass ich innerhalb kürzester Zeit zum absoluten Fangirl mutiere. Das obere Bild beschreibt mich wahrscheinlich ziemlich gut.
Das Krankheitsbild verläuft bei mir folgendermaßen:

1 Schritt. Ich höre ein Lied, mag es
2 Schritt: Ich höre das Lied ganz oft an
3. Schritt: Ich lese mir den Wikipedia-Eintrag der Musiker durch
4. Schritt: Ich suche auf youtube nach weiteren Liedern
5. Schritt: Ich stoße dabei auf andere Videos der Band, irgendwelche Fan-Zusammenschnitte
6. Schritt: Ich stöbere im world wide web nach Informationen aller Art, vorzugsweise Interviews
7. Schritt: Ich stalke die Band auf Twitter, tumblr und youtube
Die Metarmorphose zum Fangirl ist vollendet. 

Nein, im Ernst. Warum bin ich nicht wie andere Menschen in der Lage, mit einer gewissen Distanz die Musik eines Musikers gut zu finden, ohne gleich den Künstler dahinter kennen lernen zu wollen, Konzerte zu besuchen und Merch zu tragen?
 Falls es irgendjemand noch nicht mitbekommen haben sollte: Im Sommer war ich zusammen mit einer Freundin auf dem Casper Konzert. Es stellte sich heraus, dass sie den echten Namen des Künstlers - Benjamin Griffey - gar nicht kannte.
Ich denke mir manchmal, dass es nicht gut ist, sich so viel mit einer Band/ Person zu beschäftigen. Fan-sein kann auch übertrieben werden und die Sehnsucht, der unerfüllte Wunsch nach mehr Kontakt zu einem anderen, unereichbaren Menschen, tut einem auf Dauer sicher nicht gut. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Künstler sich freuen, wenn sie Kommentare lesen, in denen Unbekannte ihnen ihre ewige Liebe schwören oder sich ihre Unterschrift tätowieren lassen wollen.
Auf der anderen Seite kann man aber natürlich auch nur Fan sein, ihre Musik rauf und runter hören, Konzerte besuchen, Merch tragen und damit glücklich sein. Und: Fan sein verbindet ja auch. Neulich las ich unter einem Video den Kommentar eines Typen: "Hat jemand lust, zu skypen und sich mit meiner Freundin und mir über Casper zu unterhalten?"
Das fand ich sehr süß.

 Für mich wird die nahe Zukunft bringen, mir die Alben von twenty one pilots erst ein mal in Ruhe anzuhören, um mir dann mal ein Bild von dem Musikerduo zu machen. Menschlich find ich die beiden jedenfalls bisher super und auch die Musik hat mich echt überzeugt. Und man muss ja nicht aus jeder Mücke gleich einen Elefanten machen. Letzlich wollen wir doch alle nur unsere Musikgelüste befriedigen und das geht eben am besten durch eine neue Lieblingsband :)
Also, Tyler Joseph und Joshua Dun: so schnell werdet ihr mich nicht los!

Falls jemand jetzt neugierig geworden ist: Lane boy, Car radio, Heathens und ganz besonders Ride von TOP kann ich nur empfehlen.



Meine anderen Musikfavoriten sind aktuell:


Shawn Mendes - Stitches
Auch wenn ich es langsam schon fast nicht mehr hören kann, weil ich es zu oft angehört habe und es außerdem zur Zeit überall zu laufen scheint. Trotzdem ist es ein richtig schöner Song, der trotz des eher tristen Inhalts gute Laune macht :) Die Version hier ist ein Akkustik-Duo von Shawn Mendes und Hailee Steinfeld. Klingt sehr super!






Lukas Graham - Seven Years





Imagine Dragons - Shots 

Dieser gar nicht mehr so neue Song hat mich mal wieder darauf gebracht, nach längerer Pause Imagine Dragons anzuhören. Das Musikvideo ist zunächst gewöhnungsbedürftig aber nach mehrmaligem Anschauen ziemlich cool.





Philipp Poisel - Ich will nur

Ebenfalls sehr schönes, etwas ruhigeres, einfühlsames Lied mit passendem Musikvideo.







So, damit wären wir nun eigentlich schon am Ende angekommen. Wer es bis hierher geschafft hat und noch was ruhiges für den Bus morgens braucht, bei dem man entspannen und einschlafen kann, hätte ich noch:


RY X - Berlin



Und:

 Elliott Smith - Between the lines 





 Das war's von mir, hört sehr gerne mal rein oder lasst es eben sein, ganz wie ihr wollt :D Ich wünsche jedem, der das liest, eine schöne Woche! Haltet durch, die Sommerferien nahen!




Alles Liebe,
Anna

Freitag, 17. Juni 2016

Torschlusspanik

"Waaas, du bist schon neunzehn und hattest noch nie einen Freund?"
"Du bist schon 36 und willst noch Kinder? Na dann halt dich mal ran. Die biologische Uhr tickt ..."
"Was machen wir nur mit dir? Welcher Beruf könnte nur der Richtige für dich sein?"
" Schon traurig, wenn man mit sechzehn noch nie geküsst wurde."
"Ihr müsst euch so langsam entscheiden, was ihr nach dem Abi machen wollt. Bei den Unis muss man sich frühzeitig anmelden."
"Der Sommer naht - jetzt schnell noch die überflüssigen Pfunde loswerden!"


Ach ja. Der gesellschaftliche Druck. Wir kennen das alle. Die Menschheit hat sich irgendwann mal selbst Normen zugelegt, die jedes Individuum möglichst erfüllen sollte. Wer das nicht tut, wird komisch angeschaut, anschließend folgen weise Sprüche, meist mit dem Hinweis, man solle sich ranhalten.
Es ist wie ein Gefängnis - mit Gitterstäben, die andere irgendwann mal befestigt haben.
Und die Folge ist: Wir machen uns selbst Druck. Der gesellschaftliche Anspruch der ganzen Erfahrungen, die man bis zu einem gewissen Alter bitte schön gemacht haben soll, wird zu unserem eigenen. Wir zweifeln an uns selbst und an unserer Persönlichkeit, die ja anscheinend nicht gut genug ist - sonst wär man ja wie der Rest der Welt, der Spaß hat und erfahren ist - normal eben.
Torschlusspanik - ein tolles Wort, vor allem im Moment, wo die EM gerade angelaufen ist. Die letzten zehn Minuten, es steht 0 zu 0 - da gibt's dann Torschlusspanik. Schnell noch eins reinhauen, bevor die Zeit abgelaufen ist.
Aber warum machen wir uns denn auch so einen Stress? Dauert der Rest unseres Lebens nicht noch etwas länger als 10 Minuten? Haben wir nicht noch ein kleines bisschen mehr Zeit? 
Wer hat eigentlich festgelegt, was wann zu passieren hat? Müssen vierzehnjährige Mädchen schon vier Freunde gehabt haben, um normal zu sein? Und was ist das dann bitte für eine kranke Normalität?
Man kann auch mit 37 noch schwanger werden. Man kann auch mit ein bisschen mehr auf den Rippen glücklich durch den Sommer kommen.
Ich bin aktuell noch sechzehn, und ich mache mir oft viel Druck. Weil man noch nicht so weit ist, wie man sein sollte. Weil alle anderen ihr Leben doch auch auf die Reihe kriegen und alles im Griff zu haben scheinen.
Ich weiß noch, dass ich mich gut gefühlt habe, als ich das erste Mal Bier getrunken habe. Alkohol als unter-Sechzehnjährige: abgehakt. Und der erste Clubbesuch: erledigt. Einmal an einer Zigarette gezogen: Check.
Ich habe Erfahrungen gesammelt. Ich bin wie die anderen.  Ich kann sagen: "Ja, hab ich schon gemacht, warum? "
Aber was bringt mir es mir letztlich? Irgendwann wäre es schon passiert, also warum habe ich es nicht einfach auf mich zukommen lassen und die Zeit bis dahin genossen? 

Sein inneres Kind soll man sich bewahren, sagt man. Eines Tages findest du schon den Richtigen! Jeder Topf findet seinen Deckel!

Das Leben wäre so viel einfacher, wenn wir die anderen einfach mal so sein lassen würden, wie sie sind. Wenn sich nicht jeder dauernd anpassen wollte, und jeder, der individuell zu sein versucht, spöttisch belächelt wird. Wenn wir Kinder Kinder sein lassen würden und Jugendlichen Zeit gäben, mit der Pubertät fertig zu werden, anstatt "erwachsenes Verhalten" von ihnen zu erwarten. Wenn nicht jeder dauernd: "Beruf!" brüllenund mit Anmeldeformularen wedeln würde.

Torschlusspanik. Und selbst, wenns mal kein Tor gibt: Es geht trotzdem weiter. Auch bei 0 zu 0.


Dienstag, 7. Juni 2016

Schottland - ein kleiner Reisebericht



Hallo,

Eine Weile ist vergangen, seit ich zum letzten Mal was gepostet habe. Ich war viel unterwegs - auf Studienfahrt in Kroatien und im Urlaub in Schottland mit meiner Familie. Auf letzteres habe ich im Vorfeld eher mit gemischten Gefühlen geblickt, da parallel eine Chorfahrt unserer Jugendkantorei stattfand, die nach Italien ging (Ein Konzert in Venedig als nur eines der vielen Highlights) und ich wegen eigener Dummheit bzw. Verpeiltheit es verpasst hatte, mich rechtzeitig anzumelden.

Die Reise:
Es ging los, wir sind ins Flugzeug gestiegen und irgendwie habe ich die Vorfreude dann doch gespürt - 10 Tage im Wohnmobil durch Schottland düsen, hört sich das nicht gut an?
Nach unserer Landung in Edinburg haben wir unser Wohnmobil abgeholt, und nach einigen Schwierigkeiten mit der Bürokratie konnten wir losfahren.
Die nächsten Tage sind wir von Edinburgh über Loch Lommond zur Isle of Mull gefahren und haben Iona besucht, eine berühmte Insel, auf der sich ein altes Kloster befindet und die auch sonst einiges zu bieten hat, so gibt es zum Beispiel dort grünen Marmor und einen Strand voller bunter runder Kiesel. Leider regnete es an dem Tag so heftig und auch der Sturm war extrem stark, dass wir früher zurückfahren mussten.
Von der Isle of Mull ging es weiter zur Isle of Skye, danach zum Loch Ness (dessen Wasser wirklich unglaublich schwarz) und zum Loch Lommond, einem der schönsten Seen Schottlands, wenn man meinem Vater und dem Reiseführer glauben will. Anschließend sind wir wieder zurück nach Edinburgh getuckert, und nach einem ausgedehnten Stadtbummel gings zurück nach Hause.




Was ich über Schottland sagen kann:
1. Es sieht genau so aus, wie man es sich immer vorstellt! Das Ufer ist gesäumt von rauen Felsen und auch in der Landschaft findet man einige davon. Überall wachsen leuchtend gelbe Ginsterbüsche und blue bells, eine Blumenart, die bei unserer Reise gerade in voller Blüte stand und von der meine Mutter absolut hingerissen war. Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln, "rolling hills". Übrigens, sagt nie "landscape", wenn man die Landschaft beschreiben will. "Scenery" ist sehr viel stilvoller! (Wenn man dem Buch meiner Mutter glauben will)




2. Schottland ist außerdem wahrhaft das Land der Schafe, wahrscheinlich gibt es dort mehr Schafe als Menschen. Und die Schafe sind nicht eingezäunt, wie man es von hier kennt, sondern laufen ziemlich frei herum und haben auch nicht wirklich Angst vor den Menschen, was leider auch ziemlich gefährlich sein kann, gerade jetzt im Frühling, wenn alle frisch geborenen Lämmer herumspringen und auf der Straße laufen .. Leider bekommen die Lämmer die Angst vor den Menschen und den Autos nicht von ihren Eltern beigebracht, sodass ihnen die Gefahr weitgehend nicht bewusst ist und man häufig die Hupe benutzen musste, um die Schafe von der Straße zu scheuchen. Gerade bei den engen Küstenstraßen, die sowieso nur einspurig und noch dazu sehr unübersichtlich sind, kann das schnell zu Unfällen führen. Einmal haben wir ein totes Lamm auf der Straße entdeckt, das überfahren wurde.























 3. Es regnet. Und regnet. Es gab nur einen Tag, an dem es praktisch nicht geregnet hat. Ständig wird man von Schauern überrascht und irgendwann habe sogar ich, eine Regenschirm-zu-Hause-denn-wir-sind-ja-nicht-aus-Zucker-Lasserin, die Rebellion aufgegeben und bei jeder unserer Wanderungen brav einen Regenschirm eingepackt.


4. Echte Schotten versteht man als deutscher Schüler, der bisher mit mehr oder weniger perfektem Oxford-Englisch verwöhnt wurde, sehr schlecht. Überraschenderweise sind wir nur auf sehr wenige Schotten getroffen, viele unserer Reisebekanntschaften waren Engländer oder Touris aus anderen Ländern.

In diesem niedlichen Café in Edinburgh beim grass market haben wir ein wunderbar gegessen - ich kann's nur empfehlen!


5. Schottland ist wahnsinnig reich an Wasser. Außer, dass es viel regnet (erwähnte ich das schon?), gibt es unzählige Seen, Bäche und Flüsse. Oft ist der Untergrund so nass, dass man mit einem paar Gummistiefel besser bedient wäre. Diese Seenlandschaft ist aber auch ein echter Schatz, den man aus der Region in Baden-Württemberg, aus der ich komme, so gar nicht kennt - wir sind schon froh über die trübe Dreckbrühe eines Sees, der 20 Min mit dem Auto über die Autobahn entfernt liegt.
(Nimmes nicht persönlich, Plüdi. Wir lieben dich alle!)





6. Die Schotten verfügen über viel mehr Platz, als wir es uns vorstellen können. Alles ist weit und ruhig und abgesehen von ein bisschem Schafgeblöke gibt es in einigen Gegenden nicht viele Geräusche. Ab und zu sieht man ein halb verfallenes Häuschen, das nur noch aus ein paar Steinmauern besteht, so wie vielen kleinen Mäuerchen, die sich malerisch durch die Landschaft ziehen.




Diese Stadt ist berühmt für seine bunten Häuser am Hafen. Darin befinden sich vor allem 08/15 Touri-shops, allerdings hab ich auch ein kleines Kunstatelier entdeckt.




7. Generell sieht man dort viel mehr Kulturerbe, das nicht von Bomben zerstört wurde. Beispielsweise in Edinburgh gibt es eine Vielzahl an alten viktorianischen (glaube ich) Gebäuden, alten Kirchen (die teilweise auch als Café genutzt werden) und massenhaft kleinen Burgen und Schlössern.


Das ist mein absolutes Lieblingsbild <3





8. Es gibt verhältnismäßig viele Border Collies in Schottland, so weit ich das beurteilen kann. Ich habe ja eine Schwäche für diese Hunde, und als wir auf einem Spaziergang eine älteren freundlichen Herrn mit einer betagten Hundedame getroffen haben, die sehr gerne mit Stöckchen spielte und die dann auch höflich zurück brachte und vorsichtig vor dir ablegte, war mein Herz verschenkt. (Die Hündin war übrigens taub und ihr Besitzer sagte "She is deaf", weshalb ich dann dachte, ihr Name sei "death".)



Immer diese Personen, die immer und überall posen müssen, ts ts ..

 



Zusammenfassend kann ich sagen, dass Schottland ein Land mit sehr viel eigenem Charme ist, das einen Besuch auf jeden Fall wert ist. Es regnet zwar wirklich viel, deshalb sollte man den Schirm mitnehmen und vielleicht auch in eine gescheite Regenjacke samt wasserdichten Schuhen investieren, aber wenn sich der Himmel mal öffnet, schätzt man das Sonnenlicht dafür um so mehr, und durch die nebelverhangenen Berge und die weiten Täler hat das Licht etwas Faszinierendes, Zauberhaftes, das man mit verlässlicher kalifornischer Sonne nicht sieht.

Nummer zwei in meiner Lieblingsbilderliste :)


Der letzte Blick auf die Brücken von Edinburgh ...

Die Qualität der Bilder ist leider zum Großteil nicht gerade der Wahnsinn, da mir bei der Studienfahrt meine Kamera geklaut wurde (lange Geschichte), sodass die Fotos von meinem Handy stammen Darüber hinaus sind mein Laptop und mein Handy nicht einer Meinung, was die Anzahl meiner Fotos angeht, weswegen ich nochmal Screenshots von den Bildern machen musste ..




Ich hoffe, eure Ferien waren schön!

Donnerstag, 7. April 2016

The Road not Taken


The Road Not Taken
by Robert Frost

 
Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I—
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.



Es gibt einige Wege in meinem Leben, die ich nicht genommen habe. Aus Angst, oder weil der andere Weg besser schien; oder einfach weil ich noch zu klein war, um selbst zu entscheiden.
Die gravierendste Gabelung meines Weges war der Umzug aus einem kleinen Dorf in ein anderes kleines Dorf, als ich sieben war. Ich frage mich oft, was wohl gewesen wäre, wenn ich dort geblieben wäre. Oft denke ich, dass ich heute wohl viel glücklicher wäre, denn meine ganzen Freunde waren dort, zu denen ich heute kaum noch Kontakt habe.
Die nächste Entscheidung, die mein Leben hätte verändern können, war in der dritten Klasse. Mein Bruder beschloss, auf eine andere Schule zu wechseln, aber ich wollte nicht. Ich war damals in einer ziemlich unglücklichen Dreierfreundschaft und ich hatte Angst, dass die anderen beiden etwas dagegen haben würden.
Nach der vierten Klasse war die Frage, auf welche Schule es weiter gehen sollte. Das war keine Frage; es war schon lange beschlossene Sache, dass ich auf die gleiche Schule wie mein älterer Bruder gehen würde. Ich habe nur diese eine Straße gesehen.
Ende der Neunten wollten meine beiden Freundinnen und ich in die Paraklasse gehen. Wir haben es nicht gemacht, vielleicht aus Bequemlichkeit, wahrscheinlich wegen der Angst vor einer möglichen negativen Änderung.
In der Zehnten wollte ich unbedingt drei Monate nach Amerika. Doch das ist ein wahnsinnig teurer Spaß und so ließ ich es. "Ich mach das nach der Schule, sind ja nur noch zwei Jahre".
Nach der Zehnten haben viele gewechselt. Auch ich wollte gehen, wollte weg von meiner Schule, mit der ich nie viel verbunden habe und einer Klasse, mit der ich nie wirklich zurecht gekommen bin.
Meine beiden Freundinnen sind gegangen - ich nicht. Warum nicht? Aus Angst? Aus der Vernunft heraus? Der Angst vor dem Fremden, dem Neuen?
Die Kursfrage kam rasend schnell. Ich hatte immer Kunst vierstündig nehmen wollen, nun war da aber auch die Möglichkeit für einen Gemeinschaftskundekurs, mit dem besten Lehrer unserer Schule. Ich war unsicher, ich war unentschlossen, und schlussendlich entschied ich mich für die Politik. "Ist sicherer im Abi", sagte mein Bruder. Ich kannte meinen zukünftigen Lehrer, ich wusste, wer in dem Kurs sein sollte und der Name der Kunstlehrerin sagte mir nichts.
Jetzt bin ich in der elften und die Frage nach dem Beruf wird lauter. Erst will ich ein Jahr ins Ausland, doch wohin? Meine Mutter macht jetzt schon Druck; man muss sich pünktlich anmelden, aber ich weiß nicht, für was, denn ich weiß nicht, was ich will. Werde ich den richtigen Weg finden? Und wenn nicht, was passiert dann?

Ich denke, ich hätte mich oft in der Vergangenheit anders entscheiden sollen. Hätte auf mein Herz hören sollen und ein bisschen Mut ausgraben. So viele haben neue Wege gewagt und aus Angst vor möglichem Scheitern bin ich auf meinem alten ausgetretenen Pfad geblieben.
Wäre ich glücklicher, wenn wir damals nicht umgezogen wären? Wäre ich glücklich, wenn ich in der Dritten gewechselt hätte? Oder in der Neunten, der Zehnten? Wäre ich ein anderer Mensch, wenn ich drei Monate im Ausland verbracht hätte?

Was wäre passiert? Wie wäre ich geworden? Hätte ich den gleichen Musikgeschmack, den gleichen Charakter, den gleichen Humor? Wären meine jetzigen Schwächen meine Schwächen?

Vielleicht gibt es ja Parallelwelten, in denen ein kleines Mädchen den anderen Pfad nimmt, die andere Abzweigung, und glücklicher wird. Sicherer und selbstbewusster, als ich es bin.

Und ich hoffe, dass ich diesem nun sechszehnjährige Mädchen nie begegnen werde, denn es würde ein schmerzliches Ziehen in meinem Magen und einen Knoten in meinem Hals hervorrufen.

Weil ich es hätte sein können.







 

Donnerstag, 3. März 2016

Buchvorstellung: Seeherzen



http://ecx.images-amazon.com/images/I/418lpyBA3WL._SX331_BO1,204,203,200_.jpg
 Ich möchte heute ein Buch vorstellen, dass ich vor kurzem gelesen habe und das mir sehr gut gefallen hat. "Seeherzen" von Margo Lanagan ist eine Geschichte, die auf einer Insel namens Rollrock island im Norden (irgendwo bei Irland, würde ich jetzt mal vermuten) spielt. Die Handlung wird von mehreren Personen erzählt, deren Zusammenhang zuerst einmal nicht klar wird, allerdings schließt sich am Ende der Kreis...

Der Klappentext:

"Rollrock Island ist eine raue Insel irgendwo im Norden, betäubt vom Geschrei der Möwen, dem Brüllen der Robben und dem Rauschen der Wellen, bevölkert von armen Fischern und ihren streitsüchtigen Frauen.
Doch Rollrock Island ist auch ein Ort voller Magie: Unten auf dem windigen Strand, wo die Robbenherden lagern, wirft das ungeliebte Mädchen Misskaella ihre Zauber aus und lockt wunderschöne Frauen aus den Robbenkörpern. Die schönsten Frauen, die die armen Fischer je gesehen haben. Und mit ihnen nimmt Misskaellas Rache ihren Lauf."

 Was hat mir besonders gut gefallen:
Alsoo ..
Was ich richtig gut finde, ist die Art, wie die verschiedenen Personen eingeführt werden. Ich muss dazu sagen, dass ich normalerweise kein Fan dieser häufigen Perspektivwechsel bin, ich freunde mich mit dem ersten Erzähler an und möchte diese Sichtweise gern behalten. Bei diesem Buch besteht die Art des Erzählens aber daraus, dass die Charaktere viele Bruchstücke liefern, die dann ein Ganzes ergeben ( klingt kryptisch, ich weiß, aber wer es liest, versteht, was ich meine ;)). Zusätzlich gibt es teilweise einen ziemlichen Zeitsprung, bei dem man sich manchmal erst nach ein bisschen lesen zurecht findet.
Eine Folge dieses Einblickes, den man in alle Charaktere hatte, war, dass es auch nicht diese Schwarz-Weiß-Malerei gab, die absolute Trennung von Gut und Böse. Miskaella, die "böse" Hexe, nimmt den Leser mit und man erfährt von ihrer Kindheit, ihrem Aufwachsen auf dieser kleinen Insel, ihren Gedanken und Wünschen. Dadurch fällt es einem schwerer, sich einen Liebling zu suchen. Der Leser wird sozusagen gezwungen, sich mit allen Personen zu beschäftigen und ihre Innenansicht zu erfahren.

Was ich auch gut finde, ist die Magie des Buches. Ganz klar ist es ein Fantasy-Roman, aber Lanagan schafft es, keine utopische Welt zu erschaffen, sondern sie baut die Magie geschickt in die uns bekannte Welt ein, erschafft sozusagen "alte" Magie, die über Mythen überliefert wurde und wärend der Handlung erneut Wirklichkeit wird. Diese Balance zwischen Fantasy und Realität ist meiner Meinung nach echt gelungen.

Negative Punkte sind mir jetzt ehrlich keine eingefallen, deshalb mein Fazit: Super Buch! Kann es jedem empfehlen. Man braucht kurz, um sich einzulesen, aber dann ging's bei mir um so schneller ;) Hat es von euch jemand gelesen? Habt ihr eine andere Meinung oder teilt ihr meine?


Liebe Grüße,
Cho




Sonntag, 7. Februar 2016

Lebensqualität

Januar.
(und ein kleiner Teil Februar)

Ein Monat, der verwirrender nicht sein könnte. Zum einen musste ich in der Schule ein Referat halten, mindestens 25 Minuten lang, eine große Herausforderung für mich, da ich unglaublich ungern vor Menschenmengen rede. Aber es liegt hinter mir.
Dann war da noch da noch das Wetter. Unbeständig wie im April, auf Regen folgt Schnee, auf Schnee folgen sonnige Tage, milde Winde, wieder Regen und so weiter. Derzeit ist es wieder kühl, die schon in die hinterste Ecke gehängte Winterjacke musste schleunigst wieder hervorgeholt werden.
Auf der anderen Seite wurde in der Schule gefrühstückt und Filme geschaut, viele waren wegen Exkursionen abwesend und für die Übrigen war alles war entspannter. Keine Klausuren standen an. Das neue Jahr begann langsam. 
Und sonst?
Ich habe das Gefühl, ein bisschen zur Ruhe gekommen zu sein. Habe einige Sachen erledigt, die an standen. Seit gestern besitze ich außerdem Ohrlöcher, die erst einmal 6 Wochen heilen müssen. Gut, dass ich das vor der Badesaison noch geschafft habe.
Habe eine neue Serie angefangen, von der noch zwei weitere Staffeln darauf warten, geschaut zu werden.
Habe versucht, Sport zu machen, was teilweise geklappt hat und teilweise nicht.
Habe neue Dinge ausprobiert.
Und nun?
Ich sitze auf unserm gemütlichen Sofa, den Laptop auf dem Schoß, das Feuer gibt ab und zu beruhigende knackende Geräusche von sich. Vor mir zelebrieren meine Eltern eins unser wenigen Rituale: das Kaffeetrinken, das nach der Mittagspause zusammen mit etwas süßem im Wohnzimmer genossen wird. Lebensqualität, so habe ich es vor kurzem genannt. Für mich ist Lebensqualität, sich mal einen Kaffee in der Stadt zu gönnen, oder einen Spaziergang zu machen. Oder sich den schönen Schal zu leisten. Einfach mal ins Kino zu gehn. Und die Schokolade auf der Zunge zergehen zu lassen, anstatt sich den Genuss wegen der schlanken Linie zu verbieten. Die kleinen Dinge, die uns Freude im Alltag bereiten.









Das sind verschiedenste zusammengewüfelte Bilder der letzten Zeit. Die mit dem Schnee sind mit dem Handygemacht, weil eine gewisse Cho vergessen hatte, die Kamera zu laden..

Heute abend bin ich mit meiner Familie auf einem Konzert von Samuel Harfst. Das eigentliche Konzert war schon vor längerer Zeit, allerdings wurde das dann kurzfristig auf heute verschoben, da das Kind des Sängers geboren wurde. Stattdessen trat seine Band zusammen mit dem befreundeten Musiker Johannes Falk auf, mit Bonusgast Joshua Harfst, dem jüngeren Bruder Samuels. Highlight des Abends war der Anruf aus dem Krankenhaus, als der Name der neugeborenen Tochter - Hanna, wenn ich mich richtig erinnere - verkündet wurde und der Saal sich gerührt in die Augen schaute. Und als ein Mädchen aus dem Publikum sich meldete, um das Lied "Privileg" zu singen, und anschließend unter Tränen erzählte, was das Lied für sie bedeute. Ein ganz besonderer, denkwürdiger Abend. Ich bin gespannt, wie es heute wird.

Machts gut!

Dienstag, 5. Januar 2016

Musik Favoriten #2

2016.
Den Jahresendpost habe ich verpasst, keine Vorsätze dieses Jahr. Aus Hektik und Stress, aus mangelnder Motivation und mangelndem Willen.

Darum soll es jetzt aber gar nicht gehn. Bei mir haben sich mal wieder neue Lieder angesammelt und ich brenne darauf, sie zu teilen ;)




  Heisskalt - Dezemberluft
Sehr melancholisch, traurig gehalten, eine zebrochene Beziehung steht im Mittelpunkt.

Leider kann ich hier nur eine andere Version hochladen, aber schaut euch mal das Musikvideo an, ist eines der schönsten, die ich kenne.



Lieblingsstelle: "Und ich atme die kalte Dezemberluft und bin leer."




  Boyce Avenue - Your body is a wonderland (Cover)
Ich traue meinen Englischkenntnissen nicht, deshalb müsst ihr euch es wohl selbst anhören, um den Inhalt zu erfassen ..



Lieblingsstelle: dadada dadadadada   ab 3.35



Prinz Pi - Laura
Es geht um seine Exfreundin, die sich umgebracht hat. Eines von den Liedern, bei denen man auch nach mehrmaligem Hören noch etwas neues entdeckt, weil vieles nur angedeutet wird.

Leider hab ich nur den Link parat: Hier klicken

Lieblingsstelle: ganz klassisch - der Refrain.
"Wenn das Abendlicht in genau dieser Farbe ist, dann ist ein Loch in der Luft wo du standest. Hörst du mich, wo du bist? Bleib genau da, bald komm' ich nach, also wart' auf mich."



Ed Sheeran - Lego house
kein aktuelles Lieblingslied, aber ich habe es mal so geliebt, dass es auch auf die Liste musste. Das Musikvideo ist offiziell das allertollste, das ich bisher kenne! Ich kann Lego house nur absolut empfehlen.
Kleiner Hinweis: Es geht um Stalking.


 Lieblingsstelle: Ach, da gibt es viele :D "And out of all these things I've done, I think I love you better now" finde ich gut.





Prinz Pi - Kompass ohne Norden 
Der Text behandelt den Werdegang von ehemaligen Schulkameraden, die Orientierungslosigkeit der Jugend. Sehr nachdenklich, leicht kritisch gehalten.

Auch hier gibts nur den Link: Hier klicken

Lieblingsstelle: "Zwei Egomanen, zwei Wenigschläfer, ein Melodram", aber es gibt textlich so viele tolle Stellen, dass es mir schwer fällt, das als absolute Lieblingsstelle zu bezeichnen





Gloomy Boyz - Keiner
Casper macht grade Trap. Ich weiß nicht warum, aber ich mag den Track trotz seines fragwürdigen Textes irgendwie total :D

Lieblingsstelle: "Nee, nee, keiner!" ( bei 1.52)